Dieses Projekt entstand aus einem Hinterfragen. Hinterfragen der eigenen Praxis: Wo kommen meine Ideen her? Warum gestalte ich so, wie ich gestalte? Was für ein Ziel verfolge ich damit? Aber auch ein Hinterfragen der vorherrschenden Designpraxis: Sind wir Problemlöser oder Dienstleister? Verändern wir die Welt oder reagieren wir auf die Welt, die sich verändert? Ist der Innovationsgedanke ein Ideal, das wir aus dem Auge verloren haben, oder ein Mythos, an dem wir uns festklammern, um wirtschaftlich interessant zu bleiben?
Diese Gedanken kamen mir, nicht zuletzt befeuert durch aktuelle technische Entwicklungen im Bereich Künstlicher Intelligenz. Wo kommen Ideen her? Was braucht es, um auf diese zu kommen? Kann eine Maschine kreativ sein?
Ideen entstanden nie im luftleeren Raum. Schaut man historisch zurück, so bildet sich das Bauhaus, welches im Allgemeinen als erstes Ensemble des modernen Designs betrachtet wird, aus Künstlern, Architekten und Handwerkern, deren Ideen durch Möglichkeiten der technischen Innovation angetrieben worden sind. Otl Aichers Farbwahl in der visuellen Identität der Olympischen Spiele 1972 in München war nicht zuletzt eine bewusst politische Entscheidung, doch inspirierte ihn konkret das Umfeld, in dem diese Spiele stattfanden: »Hier hast Du die vollständige Farbpalette der Münchner Olympischen Spiele. Das Hellblau des Sees im Vordergrund, das silberne Glitzern der Wellen, das Hellgrün der Frühlingsfelder, das Dunkelgrün der nahen Wälder, das Violett der entfernteren Wälder und im Hintergrund die silber-blauen Berge und darüber der Föhnhimmel.« Das gesamte Projekt selber ist ein Musterfall dafür, wie verschiedene Disziplinen zusammenarbeiten, um ein Gesamtwerk zu schaffen.
Spätestens mit der Globalisierung des Internets ist Remix eine völlig etablierte Praxis und hat alle Grenzen aufgebrochen. Digitale Werkzeuge haben dazu alles deutlich zugänglicher, einfacher und schneller gemacht. Wir können uns kaum abwenden von der Flut an Informationen, die an unseren Fingerspitzen klebt. Mehr Input gleich besserer Output. Mehr Output gleich mehr Input. Oder?
Mit diesem Projekt stelle ich die Frage nach der Intention und Verantwortung. Ich möchte ein Bewusstsein auf beiden Seiten schaffen, bei Designer*innen und bei denen, die mit Design in Berührung kommen (also jeder): Warum ist es wichtig, sich die Frage zu stellen, wie Gestaltung entsteht?