1. Zwischenstand

2.
Zwischen-

stand

Etappe 2 ist der Moment der Verdichtung: Aus den bisherigen Skizzen und Varianten wähle ich die vielversprechendsten aus und arbeite sie gezielt weiter aus. Der Output ist ein zusammenhängender Entwurfsstrang, der bereits deutlich zeigt, wie sich Typografie, Bildsprache und Aufbau zueinander verhalten, aber noch nicht final ausgearbeitet ist. Begleitend halte ich als Reflexion fest, warum sich genau diese Richtung im Moment „richtig“ anfühlt und welche Kriterien dieses Gefühl konkret steuern. 

Ich arbeitete mit der Süd-West-Winkel-Konstellation weiter und bei einem Blick auf ein Bild in das Innere des Saals im Westflügel fiel mir der riesige Giebel wieder ins Auge, in den man bis oben in die Spitze hereinschauen konnte. Ursprünglich befanden sich hier mal zwei Geschosse, doch auf die Wiederherstellung des Zwischenbodens wurde verzichtet. Erkennen kann man heute noch die Balkenauflagen an den Wänden links und rechts. Aus der Form des Giebels übersetzte ich eine abstrahierte Darstellung und richtete diese im rechten Winkel aus. Daraus ergab sich eine spannende Formstruktur. Auf Basis dieser probierte ich verschiedene Anordnungen und Rhythmen aus, um zu schauen, wie man systematisch und abwechslungsreich mit der Struktur umgehen kann.

Ich nutze die entstandenen Aufteilungen der Fläche, um Typografie und Bilder auszurichten. Bei den Farben orientierte ich mich stellenweise an dem Zusammenspiel aus Dachziegel und Himmel und Dachziegel und Fassade, doch löste mich an Stellen auch davon und erarbeitete ohne direkte Referenz Farbkombinationen, die visuell gut funktionierten.

Die Namens- und die Logo-Idee von MEOC für Latein Süd/West und als Akronym für das Leitmotiv »Move Engage Observe Culture« fand ich sehr stark und wollte ich unbedingt weiter ausarbeiten. Nachdem ich in mehreren Entwürfen versucht hatte, das Logo weiterzuentwickeln, merkte ich, dass die Reduzierung auf das Wesentliche die beste Entscheidung ist. Die im 90°-Winkel aufeinander treffenden Glyphenpaare sagten eigentlich schon alles, was gesagt werden musste. Die bloße Anordnung der Schrift in diesem Winkel erinnerte mich wieder zurück an die Schriftbänder an den Außenkanten der Grabplatten. Dabei kam mir die Idee, ausgehend von dem Logo Textabsätze in der jeweiligen Orientierung der Glyphenpaare an den kompletten Außenkanten des Formats entlang zu setzen. Das Logo ist Bindeglied und Ausgangspunkt zugleich. Trotzdem übernahm es den Raum nicht visuell, sondern eröffnete eine völlig neue, prägnant gerahmte Spielfläche.

Die Frage war jetzt, was auf dieser Spielfläche stattfinden sollte. Nach der initialen Entwurfsphase gab es noch den Entwurfsstrang der fragmentierten Gebäudestruktur, an dem ich bis jetzt noch nicht weitergearbeitet hatte. Bei einem Schulterblick fiel mir auf, dass dieser sich dafür vielleicht gut eignen könnte, aber gar nicht mal auf so einer abstrakten Ebene wie zunächst angenommen.

Bei seiner Reise durch die Geschichte wurde das Gebäude immer wieder stark verändert. Dadurch haben Elemente ihren Nutzen verloren, wurden umfunktioniert oder manche dienen bis heute ihrem Nutzen. Gerade die Elemente, die vermeintlich keinen Nutzen mehr haben beziehungsweise nicht mehr ihrem eigentlichen Nutzen dienen, wirken »out of place«. Doch das Gegenteil ist der Fall: Auch sie wurden auf eine Art umfunktioniert, als Hinweis auf eine bewegte Geschichte, als Element eines organisch gewachsenen, einzigartigen visuellen Erscheinungsbilds, gerahmt in einen völlig anderen Kontext als den, in dem sie entstanden sind.

Was passiert, wenn man jetzt Elemente des Komplexes nimmt und sie wiederum in einen völlig neuen Kontext »out of place« setzt, in einem digitalen, einer virtuellen Fläche? Wie würde sich dieses Umfeld auf die Elemente auswirken, was würde mit ihnen passieren? Welche Funktion lassen sie zurück an ihrem realen Ort und welche neue bekommen sie in dieser immateriellen Welt? Das galt es herauszufinden, also begann ich damit, metergroße Sandsteine und Mauerbruchstücke auf dieser vorher geschaffenen Spielfläche aufeinandertreffen zu lassen.